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Bariton aus der Schleuse

Die Mindener Schachtschleuse
Bariton aus der Schleuse

Kammer-Musik – Die ungewöhnlichen Konzertsäle des Burkhard v. Puttkamer

Das Wasser- und Schifffahrtsamt nennt es „verlängerte Sonderschleusung“, für Burkhard v. Puttkamer ist es ein „sinnliches Erlebnis“. So unterschiedlich kann die Wahrnehmung ein und desselben sein. Dann ist die Mindener Schleuse für eine Stunde dicht. Das Schiff mit der Bühne auf dem Heck fährt hinein, der Wasserspiegel senkt sich: An Bord wird es immer dunkler, die feuchten Wände riechen leicht sumpfig. Ruhe kehrt ein. Von der Welt draußen bleibt ein Viereck Himmel. Krähen umkreisen die aufragenden Schleusentürme. Ihr Schreien hört man bis ganz unten in der Schleusenkammer. Das Ambiente passt. Jetzt ist der richtige Augenblick für düstere Lieder von Hugo Wolf: Die Krähen stimmen ein in das „italienische Liederbuch“.

Während sich in der Welt oben der Wind austobt, gehört ganz unten im Schacht eine  halbe Stunde nur der Klaviermusik und dem Gesang Burkhard v. Puttkamers. Der ist unverstärkt, denn Mikrofone braucht es bei dieser Akustik keine. Bis gurgelndes Wasser die Bühne wieder emporhebt. Es dämmert. „Blaue Stunde“ würde der Fotograf dazu sagen. Stimmt, die Schleusentürme werden blaugrün angestrahlt, das vermischt sich mit dem Rot-Orange der Bühnenbeleuchtung beim Auftauchen. Das Wasser sprudelt, Wind und Vögel haben sich inzwischen beruhigt. Das Schiff mit der Bühne verlässt die Schleuse, die Zuschauer genießen die Flussfahrt.

Vor zwei Jahren macht sich der studierte Opernsänger Burkhard v. Puttkamer selbstständig „mit Konzerten in ungewöhnlichen Räumen“. Das sind außer Schleusen Schwimmhallen und Bergwerke, ja sogar die Antarktis. Ein kleines flexibles Team von fünf bis sechs Mitarbeitern verhandelt mit Reedern, organisiert Sondergenehmigungen, , kümmert sich ums Catering sowie den technischen Teil mit Beleuchtung und Akustik.

Der Sänger braucht Schleusen mit tiefen Schächten. „14 Meter tief müssen sie schon sein und dann muss man das Schiff so positionieren, dass es nicht hallt. Wie, das ist unser Betriebsgeheimnis.“ Um geeignete Schleusen zu finden, hat Burkhard v. Puttkamer ganz Deutschland bereist. „Die besten Voraussetzungen haben wir in Minden, Magdeburg, am Main-Donau-Kanal und in Uelzen. Die Schleusen haben zum Teil mehr Volumen als die Semperoper.“

Den Begriff „Schleusenkonzert“ ließ sich die Künstler inzwischen schützen. Nach einigen ausverkauften Konzerten gründeten sie die Produktionsfirma Zwischenakt. Für ihr Konzept „Konzert und Musiktheater in funktional codierten Räumen“ erhielten sie beim Businessplan Berlin-Brandenburg 2002 den zweiten Preis in der zweiten Preis von 350 Teams, meist aus der Hightech – Branche. […]

Boote 5/ 2004

 

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